Homocystein im Nervensystem: Ein kurzer Überblick

Homocystein leistet wahrscheinlich einen Beitrag zur Pathogenese einiger neuropsychiatrischer Erkrankungen. Wichtigste Kandidaten sind Alzheimer Demenz, vaskuläre Demenz und der ischämische Schlaganfall, der im Menü der Herz-Kreislauf-Erkrankungen behandelt wird.

Es ist unbekannt, ob B-Vitaminmangel oder Homocystein an der Pathogenese von Depression beteilig ist. Jedoch gibt es Daten aus epidemiologischen Studien, die Assoziationen zwischen Depression und B-Vitaminmangel bzw. erhöhtem Homocystein zeigen. Wahrscheinlich geht es bei Depression um Defizite an Folaten und/oder Vitamin B12. B6, B1. Es gibt meherere Studien, die im Fall von Vitaminmanel auf eine schlechtere Wiksamkeit der Psychopharmakotherapie hinweisen. 

Morbus Parkinson wird meist mit L-DOPA behandelt, das in Nervenzellen zu Dopamin umgewandelt wird. Beim Abbau des Medikaments bzw. des Dopamins wird viel des Methyl-Donors S-Adenosylmethionin (SAM) verbraucht. Der Methylierungszyklus ist also stark gefordert und der Bedarf der Patienten an Folat und Vitamin B12 kann erhöht sein. Erkennbar wäre das u. a. an einem erhöhten Homocysteinspiegel im Blut.

Einige Antiepileptika stören den Folat-Stoffwechsel. Das kann für Epileptiker zum Problem werden - besonders für schwangere Epileptikerinnen oder solche mit Kinderwunsch.

Alkoholabhängigkeit ist eine Suchterkrankung, bei der die Qualität der Ernährung häufig leidet. B-Vitaminmangel und erhöhtes Homocystein kommen bei Alkoholikern häufig vor. Außerdem wirkt sich Ethanol nachteilig auf den Stoffwechsel des Nervensystems aus und das Abbauprodukt Acetaldehyd hemmt das B12-Enzym Methioninsynthase. Alkoholiker haben einen erhöhten Bedarf an einigen B-Vitaminen.